Freitag, 11. Juni 2010

Die Spannung steigt am 11.06.10


Heute ist der Tag der Entscheidung. Das Ergebnis der Englischprüfung müsste heute per Post eintreffen.


Errol, mein Vermieter, bringt mir am frühen Morgen einen Briefumschlag, aber es ist nicht das Schreiben der Massey University, welches ich erwartet habe. "Die nächste Post kommt morgen" meint er und geht wieder.


Na gut, dann eben noch einen Tag warten, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an, denke ich.


Eine viertel Stunde später klopft Errol nochmals an meiner Tür. Dieses mal mit dem richtigen Umschlag in der Hand, den er unter dem Stapel der restlichen Post gefunden hatte. Ich mache den Umschlag natürlich sofort auf und Errol beglückwünscht mich zu dem Ergebnis.





Ich kann es gar nicht glauben. In allen vier Bereichen, die geprüft wurden (Listening, Reading, Writing und Speaking) liege ich über der erforderlichen Mindestpunktzahl. Im Speaking haben sie mir sogar die Höchstpunktzahl gegeben.


Mir fällt ein riesen Stein vom Herzen.


Endlich kann es weitergehen mit meiner Registrierung. Am kommenden Montag fahre ich nach Wellington, zum Einführungsseminar bei den NZLocums und werde alle weiteren organisatorischen Schritte mit den Mitarbeitern dort besprechen. Jetzt habe ich alle Voraussetzungen erfüllt und kann demnächst anfangen zu arbeiten...


An Alle, die mir die Daumen gedrückt haben: Vielen Dank, es hat geholfen!!!




Samstag, 5. Juni 2010

Der erste Monat in Levin und Besuche in Wellington 23.04. – 23.05.10


Diesmal geht es u.a. um:

Menschen, die mir den Anfang erleichtert haben

Einen Besuch in der Hauptstadt Neuseelands

Das Te Papa Museum in Wellington

Die „Treaty of Waitangi“ und einige historische Hintergründe

Das Thema „Einwanderung“

Den „Botanic Garden“ in Wellington

Einblicke ins Landleben beim Fieldday





In den ersten Wochen meines Aufenthaltes in Levin sind es vor allem die persönlichen Kontakte, die mir helfen, mich einzugewöhnen und mit meiner neuen Lebenssituation gut zurecht zu kommen.


Da sind z.B. Dara und Dejan, die selbst erst vor einigen Jahren nach Neuseeland gekommen sind und wissen, wie schwer es ist, ganz von vorne anzufangen um sich etwas Neues aufzubauen. Sie kümmern sich ganz liebenswürdig um mich, zeigen mir die Umgebung und leihen mir für die erste Zeit einen Wagen, den sie momentan nicht benötigen. Sie bieten mir unendlich viel Hilfe und Unterstützung an, beruflich und privat einen guten Einstieg zu finden.





Ich lerne endlich die Mitarbeiter von „New Zealand Locums“ (www.nzlocums.com) in Wellington persönlich kennen. Schon vor meiner Ankunft in Neuseeland haben sie mich hervorragend bei der Wahl des Ortes und der Praxis beraten.


„New Zealand Locums“ ist eine staatliche Organisation, die „overseas doctors“ auf ihrem Weg nach Neuseeland unterstützt. Bei allen Fragen rund um die Hausarzttätigkeit, Visa-Beschaffung und Registrierung als Hausarzt gibt es hier kompetente Ansprechpartner, die mit Rat und Tat weiterhelfen.

Zu ihrem kostenlosen Service gehört u.a. ein dreitägiges Einführungsseminar, welches mich auf die Besonderheiten des Neuseeländischen Gesundheitssystems vorbereiten wird.





Für die Vorbereitung auf den Sprachtest IELTS (International English Language Testing System, www.ielts.org), habe ich das Glück, Carol kennen zu lernen, eine pensionierte Lehrerin, die mir in den ersten Wochen als Tutorin regelmäßig Englischunterricht gibt. Sie ist mit ihrem Mann Peter schon viel in der Welt herumgereist und kennt insofern die Situation, wenn man neu in einem Land ist. Ich lerne durch sie aber nicht nur Englisch sondern erfahre auch viel über die nähere Umgebung, über Land und Leute sowie das kulturelle Angebot vor Ort.


Sie und ihr Mann hören gerne Symphoniekonzerte, was auch meinen Interessen entspricht, daher verabreden wir uns zu einem Konzert des „New Zealand Symphonic Orchestra“ in Wellington. Ich hatte schon befürchtet, hier keine Gelegenheit zu Konzertbesuchen zu haben, wurde aber eines Besseren belehrt. Es war ein echtes musikalisches Highlight, was uns geboten wurde. Die nächsten Konzerttermine habe ich mir gleich vorgemerkt, da ich sie mir auf keinen Fall entgehen lassen möchte.


Wir verbinden den Konzertbesuch mit einer Stadtbesichtigung. Carol ist in Wellington aufgewachsen und kennt die Stadt wie ihre Westentasche. Sie zeigt mir bei dem ersten Besuch die schönsten Aussichtspunkte der Stadt und gibt mir Tipps, was ich mir in nächster Zeit unbedingt ansehen sollte, z.B. den „Botanic Garden“, Fahrt mit dem „Cable Car“ , natürlich das „Te Papa Museum“ und noch viele andere Plätze, die ich von selbst oder mit Reiseführer nie gefunden hätte.





Besuch der Hauptstadt Neuseelands


Wellington liegt an der Südspitze der Nordinsel und hat als Hauptstadt von Neuseeland echte Großstadtluft zu bieten, mit einem ausgedehnten Stadtzentrum zum Bummeln und Shoppen. Es liegt ca. eine Autostunde von Levin entfernt, d.h. in akzeptabler Reichweite für einen Tagesausflug, den ich mir gelegentlich als Auszeit vom Englisch-Lernen gönnen werde.





Ich habe es zu Anfang ja nicht glauben wollen und hielt es für einen Scherz, aber „Windy Wellington“ macht seinem Spitznamen alle Ehre. Der Wind weht hier häufig so heftig, dass man aufpassen muss, nicht umgepustet zu werden. So viele Leute mit „Sturmfrisur“ wie hier habe ich sonst nirgends gesehen. Aufgrund der geographischen Lage pustet der Wind, der auf dem Meer ordentlich Kraft entwickeln konnte, mächtig in die Stadt hinein.





Ein Tag im Te Papa Museum Wellington 19.05.10


Auch hier gibt es mal Regentage, an denen es schöner ist, sich den ganzen Tag nur drinnen aufzuhalten. Da bietet sich ein Tag im Museum geradezu an.

Wellington hat einiges an Museen zu bieten, aber „Te Papa“ ist einfach das Museum, welches Geschichte und Kultur Neuseelands anschaulich darstellt und hautnah erleben lässt (www.tepapa.govt.nz). An einem einzigen Tag schafft man es nie und nimmer Alles anzusehen, aber das weis ich zu Beginn meines Besuches noch nicht :-)





Mich hat im „Te Papa“ die Ausstellung über eine besondere Art von Steinen (Pounamu, Greenstone) fasziniert, welche außergewöhnliche Materialeigenschaften aufweisen. Sie sind besonders hart und haben eine grüne, zum Teil durchscheinende Farbe.






Aus den Steinen wurden von den Maori besonders schönen Formen geschliffen um Werkzeuge, Schmuckstücke oder Waffen herzustellen. In der Ausstellung wird ausführlich beschrieben, wo die Steine zu finden sind (nur auf der Südinsel Neuseelands), wie sie bearbeitet und von den Maori verehrt wurden.






In einem Film wird z.B. gezeigt, wie mühevoll und aufwändig die Schleifarbeiten sind und mit welchen Werkzeugen die Steine bearbeitet wurden. Und dann sieht man in den Vitrinen die fertigen, teils filigran ausgearbeiteten Schmuckstücke und denkt „Wie viel Zeit und Energie haben die Maori früher gehabt um so etwas schönes herzustellen?“ Es ist einfach unglaublich, dass mit einfachen Werkzeugen so ein hartes Material überhaupt bearbeitet werden konnte.


Mehr Informationen darüber gibt es unter

http://collections.tepapa.govt.nz/exhibitions/pounamu/






Die „Treaty of Waitangi“


Wer mit Geschichte nichts am Hut hat sei gewarnt. Ich habe versucht, mich kurz zu halten, aber für ein besseres Verständnis kommt man um einige Details nicht herum.


Den weniger Geschichtsinteressierten empfehle ich, ggf. beim Thema „Einwanderung“ weiter zu lesen...





Im Te Papa Museum wird die Entstehungsgeschichte der "Treaty of Waitangi" , dem wichtigsten Staatsgründungsdokument Neuseelands, sehr detailliert dargestellt.


Es hat mich einige Zeit und Aufwand gekostet um auch nur annähernd zu begreifen, was es mit der "Treaty of Waitangi" auf sich hat. Ich muss zugeben, dass ich kaum etwas darüber wusste, außer den Namen mal gehört zu haben. Auch war ich davon ausgegangen, dass ein so wichtiges Dokument einen enorm großen Umfang haben muss, mit vielen Paragraphen, die in noch mehr Untereinheiten aufgeteilt, über viele Seiten alle möglichen Dinge regelt, die bei einer Staatsgründung zu berücksichtigen sind.


Ich erwartete also ein dickes Buch, mindestens so dick wie die gelben Seiten. Das war natürlich meine Sichtweise und Erwartungshaltung als Deutscher, der schon einiges an bürokratischen Auswüchsen gesehen hat und völlig erstaunt guckt, wenn Dinge auf die einfache Art geregelt werden.


Mit meinen Erwartungen lag ich also völlig daneben. Offensichtlich gab es damals nicht so viel Papier oder die Leute hatten noch die Fähigkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die "Treaty of Waitangi" besteht aus einem Blatt Papier und enthält ganze drei Artikel. Es gibt eine Version in Englisch und eine Übersetzung ins Maori. So einfach wurden 1840 Dinge geregelt.





Etwas komplizierter sind die historischen Hintergründe und die Umstände der Vertragsverhandlungen mit nachfolgender Unterzeichnung des Dokumentes. Was die Britische Krone überhaupt veranlasst hat, jemanden nach Neuseeland zu schicken, um mit den Maori einen Vertrag zu schließen, der ihnen im Tausch gegen ihre Souveränität die „Rechte und Privilegien britischer Bürger“ zusichert, ist heute schwer nachzuvollziehen.





Zur Verständnis der Geschichte Neuseelands ist es vielleicht hilfreich zu wissen, dass die ersten Maori vor mehr als 800 Jahren aus Polynesien nach Neuseeland kamen, also zu einer Zeit als in Europa gerade die Kreuzzüge stattfanden (1096 bis 1291) und die Mongolen etwas später Asien und Osteuropa eroberten (im 12. und 13. Jahrhundert).


Es bleibt unklar, ob die ersten Siedler Neuseelands in einer oder in mehreren Gruppen bzw. Wellen das Land besiedelten. Es müssen begnadete Seefahrer gewesen sein, wenn man bedenkt, dass sie sich mit ihren Booten über riesige Entfernungen vorwagten und als Orientierung nur die Beobachtung von Sonne und Sternen (kein GPS, kein TomTom oder ähnliches) zur Verfügung hatten.





Die Maori hatten also Neuseeland bereits vor sehr langer Zeit entdeckt und besiedelt (lange bevor Kolumbus 1492 Amerika entdeckte) und es dauerte einige Jahrhunderte, bis der erste Kontakt zu Europäern stattfand (Expedition von Abel Tasman, 1642). Auch danach gab es lange Zeit für die Maori keine weiteren Außenkontakte bis 1769 James Cook in Neuseeland landete. Erst nach dieser Zeit kamen etwa ab 1790 regelmäßig „Besucher“ ins Land, z.B. als Walfänger und Robbenjäger. Die erste Missionsstation wurde 1814 gegründet. In den Jahren danach bildeten sich die ersten Siedlungen von Europäern, die mit den Maori Handel trieben.





Die Maoristämme hatten untereinander immer schon auch kriegerische Auseinandersetzungen, die zu begrenzten Zahlen von Opfern führten, da vor dem Eintreffen der Europäer mit keulenartigen Handwaffen gekämpft wurde.


Durch den Handel mit den Europäern kamen einige Stämme in den Besitz von Musketen, also Gewehren, was ihnen gegenüber den Stämmen ohne Musketen, einen entscheidenden Vorteil in der Kriegsführung einbrachte.





In der Zeit der Musketen-Kriege zwischen 1818 und 1836 starben zehntausende von Maori bei Kämpfen der Stämme untereinander, die sich von der Nordinsel ausgehend auch auf die Südinsel, also über ganz Neuseeland ausbreiteten, bis alle Stämme mit den gleichen Waffen ausgerüstet waren und damit wieder ein Kräftegleichgewicht eingetreten war.


('The Musket Wars', URL: http://www.nzhistory.net.nz/war/19thcenturywars-musketwars, (Ministry for Culture and Heritage), updated 17-Mar-2010)





In den Jahren ab etwa 1830 trafen immer mehr europäische Siedler ein. Damit waren weitreichende Veränderungen für die Maori verbunden. Es gab Pläne für eine Ausdehnung der Siedlungen. Konflikte mit den Siedlern häuften sich. Es gab Bestrebungen Frankreichs, Neuseeland als Kolonie zu übernehmen.


Vor diesem Hintergrund gab es für die Britische Krone ein Interesse, Neuseeland zu ihrer Kolonie zu machen und den vormals „rechtlosen“ Zustand mit einem Vertrag, nämlich mit der „Treaty of Waitangi“ zu regeln. Der Name leitet sich von dem Ort in der „Bay of Islands“ ab, wo der Vertrag unterschrieben wurde.





William Hobson wurde beauftragt, die Britischen Interessen zu vertreten. Er hatte die Aufgabe, die Stammeshäuptlinge vom Vertrag zu überzeugen. In seinen Erklärungen betonte er die Vorteile des Vertrages und spielte die Auswirkungen der „British sovereignty (Herrschaft)“ herunter. Durch die Bestätigung, dass ihr Status und ihre Autorität gestärkt würden, unterstützten viele Stammeshäuptlinge die Vereinbarung.


Der Vertrag wurde von dem Missionar Henry Williams und seinem Sohn Edward in einer Nacht ins Maori übersetzt (die Übersetzung ins Maori entspricht nicht eins zu eins dem Englischen Vertrag, was zu unterschiedlicher Rechtsauslegung führte). Anschließend wurde über den Vertrag einen Tag und eine Nacht von ca. 500 Maori diskutiert. Am 6. Februar 1840 unterzeichneten die ersten 40 Häuptlinge die ins Maori übersetzte Version des Vertrages.




Bis September 1840 wurde versucht, von möglichst allen (ca. 500) Häuptlingen auf der Nord- und Südinsel die Unterschrift bzw. Zustimmung einzuholen, indem Kopien des Vertrages auf Reisen über beide Inseln Neuseelands geschickt wurden. Fast alle Stammeshäuptling unterschrieben den Maoritext, einige lehnten die Unterschrift ab, andere erhielten gar keine Möglichkeit, zu unterschreiben. Das „Colonial Office“ in England erklärte später, dass der Vertrag auch für die Maoristämme angewendet werden würde, die nicht unterschrieben hätten.





In der „Treaty of Waitangi“ (http://www.nzhistory.net.nz/politics/treaty/the-treaty-in-brief, (Ministry for Culture and Heritage), updated 23-Sep-2009) werden rechtliche Beziehungen zwischen der Britischen Krone und den Maori geregelt.


Es wird zunächst allgemein auf die große Zahl britischer Siedler in Neuseeland und die rapide steigende Zahl von Auswanderern, die aus Europa und Australien noch kommen würden, hingewiesen und beschrieben, dass der Wunsch besteht, eine Regierung aufzubauen mit dem Ziel, negative Konsequenzen zu vermeiden, die durch das Fehlen notwendiger Gesetze und Institutionen entstehen könnten.


In den drei Artikeln wird festgestellt:


Die Maori geben die Souveränität über Neuseeland an die Königin von England ab.


Die Königin bestätigt und garantiert den Maori den exklusiven und ungestörten Besitz an Land, Wald, Fischgründen und anderen Besitztümer, so lange sie diese besitzen möchten. Die Maori geben der Krone das Vorkaufsrecht für jegliches Land, welches sie verkaufen möchten.


Die Maori erhalten die Rechte und Privilegien britischer Bürger.



Die Englische Version und die Übersetzung ins Maori unterschieden sich bezüglich einiger Worte. Der Begriff „sovereignty (Herrschaft)“ in der Englischen Version wurde im Maori in „governance (Regierung)“ übersetzt. Einige Maori glaubten, die Regierung abzugeben aber das Recht zu behalten, die sie betreffenden Dinge selbst zu regeln.





Es gab also einige Kommunikations- und Verständnisschwierigkeiten. Es trafen aber vor allem unterschiedliche Wertvorstellungen und Sichtweisen aufeinander. In der Maori-Gesellschaft wurde dem gesprochenen Wort ein hoher Stellenwert beigemessen. Eine eigene Schrift kannten die Maori nicht. Die von William Hobson abgegebenen Erklärungen waren insofern genau so wichtig wie das Dokument selbst. Für die Briten galt nur, was im Vertrag stand.





Verständnisschwierigkeiten waren auch aus anderen Gründen vorprogrammiert. Der Begriff Landbesitz hatte für Maori und Europäer eine völlig unterschiedliche Bedeutung. Für Maori bedeutete Landbesitz, dass man das Land für eine gewisse Zeit nutzt und für die nachfolgenden Generationen erhält. Einen persönlichen Landbesitz (mit Eintrag ins Grundbuch, wie wir es kennen) gab es für sie nicht. Macht ja auch für ein Volk wenig Sinn, das Jahrhunderte alleine auf den beiden großen Inseln lebte und gewohnt war einfach weiter zu ziehen, wenn ein Landstrich nicht mehr genug zum Leben hergab.


Der Verkauf von Land betraf von ihrem Verständnis her die vorübergehende Nutzung des Landes (vergleichbar der Weitergabe eines Lehen), nicht aber die vollständige Übertragung sämtlicher Eigentumsrechte.





Unterschiedliche Rechtsauffassungen über die „Treaty of Waitangi“ haben immer wieder zu Konflikten geführt. Bis heute gibt es strittige Fragen bzw. konkrete Ansprüche, die sich aus der unterschiedlichen Interpretation des Vertrages ergeben. 1975 wurde das „Waitangi Tribunal“ etabliert, welches sich ausschließlich mit den Ansprüchen aus der „Treaty of Waitangi“ befasst.





Ich hoffe, ich habe niemanden mit zu vielen Details über die Geschichte Neuseelands erschlagen. Mich hat das Thema insofern gefesselt, da es viele Fragen betrifft, die heute in Neuseeland, aber auch in anderen Ländern von Bedeutung sind:


Wie schafft es ein Land, das so viel „historischen Sprengstoff“ zu bieten hat, in so (relativ) kurzer Zeit, eine friedliche Koexistenz für viele Menschen unterschiedlicher nationaler Herkunft zu gewährleisten?


Wie hat es Neuseeland geschafft, die Ansprüche und Rechte beider Seiten, sowohl der Einwanderer als auch der bereits Ortsansässigen, ausreichend zu würdigen?


Wie konnten kriegerische Auseinandersetzungen, die hier früher häufig stattfanden, auf Dauer beendet werden?


Es gibt viele Orte auf der Welt, wo heute Antworten auf diese Fragen gesucht werden.

Warum nicht dort hin schauen, wo schon einige Lösungsansätze gefunden wurden?





Ein anderer Bereich im Te Papa Museum behandelt das Thema


„Einwanderung“.


Am Beispiel einzelner Lebensgeschichten und persönlicher Erzählungen wird beschrieben, was die Einwanderer veranlasst hat, ihre Heimat zu verlassen und mit welchen Erwartungen sie nach Neuseeland kamen. Es wird auch sehr schön dargestellt, welchen kulturellen Einfluss die Einwanderer auf Neuseeland hatten, denn jeder hat natürlich etwas aus seinem Land mitgebracht und versucht, den eigenen Lebensstil hier so gut es ging beizubehalten.





In einem anderen Bereich kann man Videoaufnahmen einzelner Personen sehen, die von ihren Erfahrungen als Immigranten berichten. Man steht den Erzählern auf Augenhöhe gegenüber und hat dadurch den Eindruck, als wenn derjenige einem ebenfalls gerade gegenüber steht und aus seinem Leben erzählt. Es ist ein sehr persönlicher Blickwinkel, der einem dadurch näher gebracht wird, dass jeder Erzähler etwas von seinen eigenen Empfindungen und Erlebnissen beschreibt. Auf diese Weise entsteht ein individuelles Zeitdokument und ich habe den Eindruck, dass den Einwanderern durch diese Form der Darstellung eine besondere Wertschätzung entgegengebracht wird.


Das Te Papa Museum hat noch viele weitere Abteilungen. In den nächsten Monaten werde ich dort sicher noch das eine oder andere Mal hingehen...





Der „Botanic Garden“ in Wellington


Nach dem langen Bericht über Neuseelands Historie kann ich mir beim Botanische Garten viele Worte sparen, da Bilder hier nun wirklich viel mehr sagen.









Vom „Botanic Garden“ aus kann man bequem mit dem Cable Car ins Stadtzentrum fahren, wenn man z.B. noch ein bisschen Shoppen gehen möchte.







Ich habe aber für heute genug gesehen und lass den Tag bei einer Tasse Tee ausklingen.





Landleben beim Fieldday in Otaki 22.05.10


Einmal im Jahr trifft sich beim Fieldday die Landbevölkerung und zeigt bzw. informiert sich darüber, was es für Neuigkeiten gibt. Von Landmaschienen über Aufsitzrasenmäher bis zu den neuesten Entwicklungen in der Viehzucht wird alles Mögliche präsentiert. Auch hier sagen Bilder mehr als Worte.











Für heute verabschiede ich mich mit ein paar Bildern aus der Umgebung von Levin.


Ich werde gleich mal zum Strand fahren (10 Minuten mit dem Auto) und ein Stunde am Wasser entlang laufen, die Wellen beobachten und die Sonne genießen.


Das Wetter ist einfach zu schön um drinnen zu sitzen :-))









Meinen Dank an Alle, die mir für den Englischtest die Daumen gedrückt haben.


In einer Woche erfahre ich das Ergebnis. Ich werde berichten . . .



Sonntag, 23. Mai 2010

Palmerston North 19.04. bis 23.04.10, Levin 23.04.10


Diesmal geht es u.a. um:

Allein unterwegs in „Palmy“; Viele Überraschungen in Levin; Rugby begeisterte Neuseeländer





In den ersten Tagen in Palmerston North befinde ich mich wie in einem Schwebezustand:

Fast schon am Ort meiner Wünsche angekommen ohne genau zu wissen, wie es weitergeht, aber doch noch nicht ganz da. Im Kopf habe ich einen Entwurf, welche Schritte ich als Nächstes unternehme, aber es ist völlig offen, ob sich die Dinge auch so entwickeln, wie ich es mir vorstelle und wünsche.


„Palmy“, wie es auch genannt wird, ist für mich nur eine Zwischenstation. Der Ort, in dem ich längere Zeit leben und arbeiten möchte, heißt Levin und liegt 50 km weiter südlich in Richtung Wellington.


Palmerston North ist für mich als Anlaufstelle insofern wichtig, da hier an der Massey Universität Vorbereitungskurse für die Englischprüfung (IELTS) angeboten werden, welche ich bestehen muss, um ein Arbeitsvisum zu erhalten.


Es gibt daher einiges zu organisieren:

Vorbereitungskurs für IELTS buchen,

Erkundigen wo ich mich für die Englischprüfung anmelden kann,

Maklertermine in Levin vereinbaren bzw. nach einer Wohnung oder Unterkunft Ausschau halten,

Kontakt mir der Praxis aufnehmen, wo ich später arbeiten werde,

Bankkonto eröffnen, denn ohne Konto kann man keine Wohnung mieten,

Umgebung erkunden, denn davon gibt es reichlich...





Allein unterwegs in „Palmy“


Seit etwa 14 Tagen bin ich jetzt unterwegs und habe in der Zwischenzeit so viel Neues erlebt, dass kaum Zeit war, über das Alleinsein nachzudenken. Jetzt spüre ich auf einmal das Gefühl, sehr weit weg von Familie, Freunden und Bekannten zu sein.


Wie müssen sich wohl früher die Menschen gefühlt haben, die sich auf den Weg nach Neuseeland gemacht haben, als das Land noch unerschlossen war. Die waren sicher längere Zeit unterwegs, als ich es mir vorgenommen habe.


Ich finde es schon bemerkenswert, wie sich die eigene Wahrnehmung durch die täglichen Erfahrungen verändert. Heute gibt es Internet und Skype, was mir hilft „auf dem Laufenden“ zu bleiben. Aber die Qualität dieser Kommunikationsmöglichkeit ist doch sehr eingeschränkt und kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Wenn ich per Skype mit jemandem spreche, ist es ein zweidimensionales Bild, in digitalisierter Form, das übertragen wird. Aber, man kann z.B. über Skype leider niemanden in den Arm nehmen. Da gibt es noch „Verbeserungsbedarf“.


Oder ist es vielleicht gerade die Online-Verfügbarkeit von Schrift und Bild, die es mir bewusst macht, wie weit weg ich von meinen Freunden und Bekannten bin?


Ich kann jetzt nachvollziehen, warum in einigen Kulturen die Gastfreundschaft so wertgeschätzt wird. Wie wichtig es für das eigene Wohlbefinden ist, freundlich aufgenommen und in eine Gemeinschaft eingebunden zu werden, kann ich in den nächsten Tagen zu Glück mehr als reichlich erleben...





Erster Eindruck von Levin 20.04.10


Auf meiner Fahrt nach Levin muss wieder mal ich aufpassen, auf die Straße zu gucken und nicht von der herrlichen Aussicht auf die Tararua Range abgelenkt zu werden. Die Tararua Range ist ein Gebirgszug, der sich über eine Strecke von ca. 110 km zwischen Palmerston North und Wellington erstreckt (http://de.wikipedia.org/wiki/Tararua_Range). Die Gegend ist sehr hügelig, überall Weiden Kühe oder Schafe auf den weitläufigen Feldern. Gelegentlich kommt man durch kleine Orte, die recht verschlafen wirken.


Nach einer dreiviertel Stunde erreiche ich Levin, ein Städtchen, dass ich auf den ersten Blick als „übersichtlich“ bezeichnen würde. Es gibt eine Hauptstraße, wo sich auf einer Strecke von ca. 500 Metern alle wichtigen Geschäfte und Banken, sowie einige Makler angesiedelt haben.


Nach einem kleinen Rundgang durch das Stadtzentrum, bei dem ich mit drei Maklern gesprochen und für den nächsten Tag zwei Besichtigungstermine vereinbart habe, gehe ich zur ersten Bank am Ort um mich über die Möglichkeit einer Kontoeröffnung zu erkundigen.


„Alles kein Problem“ sagt mir die freundliche Kundenberaterin, die sich gleich Zeit nimmt, mit mir zusammen die nötigen Formulare auszufüllen. In einer viertel Stunde ist alles erledigt. Ich habe ein neues Konto und bin stolzer Besitzer einer dieser Plastikkarten, mit denen hier fast alles bezahlt wird. Bargeld wird kaum noch zum Einkaufen verwendet. Auch Kleinstbeträge werden mit Karte + PIN-Code beglichen.


Ich kann es kaum glauben, wie freundlich ich hier empfangen werde und wie hilfsbereit die Leute sind. Es ist keine aufgesetzte Freundlichkeit sondern eine ganz andere Art von Offenheit, das ich als „the Kiwi way of politeness“ bezeichnen würde.





Zweiter Eindruck von Levin 21.04.2010


Nachdem ich gestern so freundlich in Levin aufgenommen wurde, bin ich natürlich gespannt, wie es mit meiner Wohnungssuche weitergeht. Für heute früh habe ich zwei Termine zur Wohnungsbesichtigung vereinbart, d.h. früh aufstehen und wieder von „Palmy“ nach Levin fahren, denn ich wohne ja wohlgemerkt dort immer noch im Hotel.


Meine ursprüngliche Planung sah vor, während der Vorbereitungszeit für die Englischprüfung in Palmerston North zu bleiben, da hier die Kurse an der Uni stattfinden sollten. Leider musste ich zwischenzeitlich feststellen, dass z. Zt. Überhaupt keine Vorbereitungskurse angeboten werden, angeblich mangels Interessenten.


Also verwerfe ich diesen Plan und werde sehen, was sich in Levin organisieren lässt. Ich möchte so bald wie möglich meine eigene Wohnung beziehen, da für mich das Leben im Hotel keine Dauerlösung ist.


Beim Maklertermin wird mir eine Wohnung angeboten, die mir so gut gefällt, dass ich sie am liebsten gleich mieten würde. Sie ist leider unmöbliert (möblierte Wohnungen würde es hier so gut wie gar nicht geben, erzählte mir die Maklerin), dafür aber nur ca. 10 Minuten Fußweg vom Stadtzentrum und der Praxis entfernt. Auch die Miete von 200 NZ $ pro Woche ist tragbar, wie ich finde. Morgen könnte ich die Schlüssel abholen und einziehen.


Dass ich so schnell zu einer Wohnung kommen würde, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Am nächsten Tag erfahre bei einem Treffen mit meiner zukünftigen Kollegin von einem noch besseren Angebot, so dass ich die unmöblierte Wohnung dann doch nicht nehme.





Kennenlernen der neuen Praxis 22.04.10


Für den nächsten Tag habe ich mich mit meiner neuen Kollegin und ihrem Mann in ihrer Praxis verabredet. Wir hatten bisher nur telefonischen Kontakt und ich bin natürlich gespannt, was mich dort erwartet.


Ich habe neben, meiner eigenen Praxis, schon viele anderen Arztpraxen gesehen. Meistens herrschte in den Praxen, die ich bisher kennen gelernt habe, ein gewisses Maß an Chaos oder Hektik, da es immer viel zu erledigen gibt und der Ansturm der Patienten häufig sehr groß ist.


Mein Eindruck von dieser Praxis ist ein völlig Anderer. Die Atmosphäre ist ruhig und entspannt. Ich habe (auch in der darauf folgenden Zeit bis heute) keine Patientenschlangen, kein volles Wartezimmer oder hektisches Agieren gesehen. Alle arbeiten ruhig und konzentriert. Der Umgang ist sehr persönlich und freundlich zugewandt.


Es wird mir sehr schnell deutlich, dass die Struktur des Gesundheitssystems erheblichen Einfluss auf die Versorgungsrealität hat. Darüber werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr berichten, denn ich beginne ja erst einmal, mir einen Eindruck von dem für mich noch völlig neuen System zu machen.


Auch die weiteren Gespräche mit meiner zukünftigen Kollegin haben mich darin bestätigt, dass ich eine gute Wahl getroffen habe.

Sie und ihr Mann hatten sich schon mal nach einem möblierten Haus umgesehen, da sie wissen, wie schwer es ist, in dieser Gegend etwas Möbliertes zu finden. Außerdem haben sie für mich eine Tutorin gefunden, die mir helfen wird, mich auf den Englischtest vorzubereiten. Ich kann es kaum glauben, mit so viel Unterstützung habe ich einfach nicht gerechnet.


Sie bieten mir an, gleich im Anschluss an unser erstes Treffen bei der Farm vorbeizuschauen, auf der das „Cottage“ steht, das sie für mich ausgesucht haben.


Gesagt getan. Wir fahren ca. 10 Minuten zu der Farm und ich lerne meine neuen Vermieter kennen.





Das „Cottage“ ist ein kleines Häuschen, vollständig möbliert, mit einem Wohnzimmer und großer offener Küche (ebenfalls komplett ausgestattet), zwei Schlafzimmer, Bad und WC, Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine und Trockner.


Von der Veranda aus gucke ich auf eine Weide, auf der Galloway- und Highland-Kühe stehen, im Hintergrund sieht man die Tararua Range. Und, die Miete ist im Vergleich zu der unmöblierten Wohnung in Levin sogar noch etwas günstiger.


Mein Entschluss steht fest: Hier werde ich morgen einzuziehen...











In Levin angekommen 23.04.2010


Nach dem Auschecken aus dem Kingsgate Hotel in Palmerston North ziehe ich mit meinen wenigen Sachen, die ich im Flugzeug mitnehmen konnte, im „Cottage“ auf der Farm von Diane und Errol ein (man spricht sich hier üblicherweise mit dem Vornamen an).





Ich werde überaus freundlich aufgenommen und gleich für den ersten Abend zum Essen eingeladen. Dabei lerne ich Nils kennen, den deutschen Austauschschüler, der bei Diane und Errol mit auf der Farm wohnt. Von ihm erfahre ich, dass er am nächsten Wochenende sein erstes Rugby-Spiel hat, zu dem ich natürlich auch gerne eingeladen bin.


So kommt es, dass ich mir am darauffolgenden Wochenende ein tolles Rugby-Spiel ansehe und die Sportbegeisterten Neuseeländer näher kennen lerne...







Woher diese Sportbegeisterung kommt, kann ich nur erahnen. Einige Kids fangen schon mit fünf Jahren an, Rugby zu spielen. Auch als Schulsport ist es sehr beliebt und natürlich will jedes Schulteam den Sieg davon tragen. Das Spiel erfordert vollen Körpereinsatz und kann nur durch Teamleistung gewonnen werden.







Ich bin froh und erstaunt, dass das Spiel ohne größere Verletzungen der Spieler zu Ende geht. Bis auf ein paar Prellungen und Verstauchungen ist niemandem etwas passiert. Nils ist total happy, denn seine Mannschaft hat gewonnen!







Am nächsten Morgen darf ich Errol bei der Arbeit zusehen, d.h. er zeigt mir, wie er die Kälber füttert. Dass ich gleich einen so hautnahen Einblick in die Landwirtschaft bekomme, hätte ich mir natürlich nicht träumen lassen...


Ich kann es immer noch nicht fassen, aber ich merke langsam, ich bin angekommen!